Capoeira Stile

Angola

Die ursprüngliche Capoeira hat ihren Namen «Capoeira Angola» erhalten, nachdem Mestre Bimba «Luta Regional Baiana» gegründet und registriert hat.

Instrumente
  • 3 Berimbaus (Gunga, Medio, Viola)
  • 1 Atabaque
  • 2 Pandeiro
  • 1 Agôgô
  • 1 Reco Reco
Cantos
  • Chulas
  • Ladainhas
  • Quadras
  • Corridos
Toques de Berimbau Vivarte Capoeira
  • Angola
  • San Bento Pequeno
  • San Bento Grande
  • Santa Maria
  • Jogo de Dentro
  • Samba de Roda
  • Cavalaria
  • San Bento Grande Regional
  • Iuna
  • Banguela

Luta Regional Bahiana

Die Capoeira Regional wurde Ende der 1920er Jahre und anfangs der 1930er Jahre von Manoel dos Reis Machado entwickelt und unter seinem Pseudonym Mestre Bimba bekannt.

Mestre Bimba fügte Bewegungen und Technik des ursprünglichen Capoeira Angola und des Batuque (Samba-Kampf) zusammen. Daraus entstand Luta Regional Bahiana.

Capoeira bewahrte ihre Ursprünglichkeit, die Integrität (Vollständigkeit) ihrer Prinzipien und Fundamente sowie ihre mystische Beziehung zur afro-brasilianischen Kultur.

Capoeira Regional veränderte die Umgangsform der Beziehung zwischen der Capoeira und der Gesellschaft, welche sie lange Zeit unterdrückt hatte. Sie gewann den Schutz des Gesetzes, breitete die Möglichkeiten ihrer Praxis aus und drang in Orte von gesellschaftlicher Bedeutung wie Akademien, Schulen oder Regierung ein.
Die Capoeira Regional etablierte die Capoeira auch als Beruf. Sie verlieh demjenigen, der sie praktizierte, berufliches Ansehen auf Grund seiner Leistungen wie Unterricht, Shows oder Vorführungen. Erstmals nahm auch die Pädagogik Einzug in der Lernmethodik der Capoeira. Dies war das erste System zur Vermittlung der Capoeira der und trug wesentlich zu deren weltweiten Verbreitung bei.

Die Methodik der Capoeira Regional

Mestre Bimba führte neue Unterrichtsformen für die Capoeira ein. Er entwickelte eine systematische Methode, die neue und alte Verfahren der Weitergabe der Capoeira vereinigte.

Er folgte einem pädagogischen Plan, welcher es möglich machte, mehrere Schüler gleichzeitig zu unterrichten: Lektionen, Klassen, zugewiesene Stundenpläne, spezifische Trainings, Bewertungen, Abschlussprüfungen und Spezialisierung.
Dies ermöglicht den Schülern, ihr Spiel auszubilden und die Merkmale zu beherrschen, welche von den alten Capoeiras empfohlen werden.

Merkmale: Schlauheit, Gewandtheit, Elastizität, oben und unten spielen, in mitten von anderen mutig und herzhaft sein.

Lehrmethode von Mestre Bimba

Aufnahmeprüfung

Es wird eine erste Einschätzung des Neulings gemacht. Er bekommt die Chance, seine Neigungen, sein Können und seine Schwierigkeiten für die Praxis der Capoeira zu zeigen.

Das Lernen der Ginga

Der Meister nimmt die Hände des Schülers und lehrt ihm die Ginga, die grundlegendste Bewegung der Capoeira, ohne welche sie nicht existieren würde. Von da an begann der Lernprozess des Schülers.

Sequenzen von Mester Bimba

Acht Bewegungsabläufe von kombinierten Schlägen und Gegenschlägen, die jeweils zu zweit an jedem Trainingstag geübt werden sollten. Die Sequenzen sind das ABC der Capoeira Regional.
Sie erleichtern und fördern den Lernprozess. Die in den Sequenzen vorkommenden Schläge und Bewegungen sind die meist gebrauchten in der Capoeira Roda.

Die Cintura Desprezada

Die Cintura Desprezada sind zu zweit ausgeführte Würfe. Die Idee von Mestre Bimba, welcher diese Würfe (balões) kreierte, war, den Capoeiristas beizubringen, wie sie sich aus Griffen befreien können.
Berichten von alten Meistern und Historikern zufolge waren Variationen dieser Würfe seit jeher Tradition in der alten Capoeira. Diese wurden jedoch von Mestre Bimba neu in einer organisierten Form vermittelt.

Entrar no aço

«Entrar no aço» ist der Ausdruck, mit dem Mestre Bimba den Eintritt des Neulings in die Roda anzeigte. «Aço» (Stahl) bezieht sich auf den klangvollen Draht des Berimbaus. Wenn ein Veteran mit einem Neuling spielte, war dies des Neulings Taufe und der Veteran wurde dessen Patenonkel.

Die Roda

Die Regional wie auch die alten Mestres von Bahia werten die Roda als eines der wichtigsten Lernmittel.

Esquentar banho

Dieser Ausdruck entstand, da die Akademie von Mestre Bimba nur über ein Badezimmer verfügte. Die Schüler blieben auch nach Beendigung des offiziellen Trainings so lang in Bewegung, bis sie mit Duschen an der Reihe waren. So blieben sie bis zum Duschen warm (esquentado).

Formatura

In der Akademie von Mestre Bimba war dies der Abschluss des Grundkurses. Ein spezielles Ereignis für den Mestre und seine Schüler, an dem die zu formierenden gegen schon formierte Schüler spielen mussten. Die Schüler, welche formiert wurden, hatten eine Medaille an ihrer Brust befestigt, welche die formierten Schüler mit ihrem Fuss zu entfernen hatten. Gelang dies, wurde der Schüler nicht formiert. Bestand der Schüler die Prüfung, bekam er ein blaues Seidenhalstuch.

Die Spezialisierungskurse

Dieser Kurs legte den Schwerpunkt auf die Lehre der Verteidigung und den Gegenangriff durch bewaffnete Gegner (Messer, Schusswaffen etc). Die Dauer des Kurses, welcher in zwei Module aufgeteilt war, betrug drei Monate.

Die ersten 60 Tage fanden in der Akademie statt und waren der besonderen Lehrstrategie des Mestres gewidmet. Die letzten 30 Tage fanden im Wald statt. Es wurden Hinterhalte und verschiedene gefährliche Situationen entworfen, bei denen sich der Capoeirista befreien musste. Dies in Erinnerung an die Verfolgung der schwarzen Sklaven, die sich von den Jägern und Verfolgern befreien mussten.

Am Ende des Kurses gab es ein Fest an dem alle, die bestanden hatten, ein gelbes Seidenhalstuch erhielten.

Die Charanga

Die Charanga ist das Orchester. Die «Bateria» der Regional hat folgende Aufstellung: Ein Berimbau und zwei Pandeiros. Der Berimbau ist der König unter den Instrumenten und gibt den Toque (Referenz) zu den verschiedenen Spieltypen und den Verlauf des Toques an.

Die Lieder

Es werden Quadras und Corridos gesungen.

Die Barbada

Die «Mulher Barbada» oder «Barbada» ist ein von Mestre Bimba kreiertes, alkoholisches Getränk, das auf medizinischen Wurzeln basiert. Sie wird immer an festlichen Anlässen (Batizado, Formatura, usw.) serviert und gehört zur Tradition der Capoeira Regional.

Prinzipien der Capoeira Regional

  • Immer in der Ginga bleiben
  • Immer ausweichen
  • Immer nahe beim Partner spielen
  • Jede Bewegung muss ein Ziel, einen Zweck haben
  • Mindestens einen Bodenkontakt behalten
  • Dem Rhythmus des Berimbaus gehorchen
  • Die besiegten Schutzbewegungen respektieren, das heisst den Partner nicht verletzen
  • Sich für die körperliche und moralische Integrität des Kameraden einsetzen

 

Historischer Hintergrund

Der Ursprung der Capoeira geht auf die Befreiungsbewegung der afrikanischen Sklaven in Brasilien zurück. Diese entwickelten den als rituellen Tanz getarnten Kampf, um sich zu verteidigen und letztlich unabhängig werden zu können. 


Wie kam Capoeira zu seinem Namen?

Die Sklaven, die von den Fazendas entkommen konnten, flohen in den Wald. Die Senhores schickten ihre Aufseher hinterher, um die Entflohenen zurückzuholen. Diese trafen auf einer Waldlichtung (portugiesisch: Capoeira) auf die Sklaven, die ihnen mit Händen, Füssen und Köpfen einen wilden Kampf lieferten. Als die Aufseher zu den Fazendas zurückkehrten, fragten die Senhores: «Wo habt ihr die Sklaven gefunden?» und die Antwort war: «Na Capoeira»



1600–1695 gilt als die Zeit der Quilombos. Quilombos waren Festungen, welche die entflohenen Sklaven im Urwald bauten. Dort lebten sie während 95 Jahren mehr oder weniger sicher vor den Angriffen der weissen Gutsbesitzer.



1888 wurde die Sklaverei in Brasilien endlich gesetzlich verboten. Capoeira blieb jedoch noch jahrzehntelang die Kampfform der Unterdrückten, der Aussenseiter und Vagabunden. Capoeira war verboten und die Capoeiristas wurden von der Polizei verfolgt.



Mestre Bimba


1937 wurde das Capoeira-Verbot aufgehoben. Mestre Bimba eröffnete die erste offizielle und registrierte Capoeira Academia und von da an begann der soziokulturelle Aufstieg zum Nationalsport Brasiliens. Heute ist Capoeira ein wichtiger Teil der afrobrasilianischen Kulturgeschichte.